Die Presse, Vienna

May 18, 2004

 

Colonel Chris Platzer, commander of the Austrian KFOR contingent, on the problems of the Kosovo peacekeeping force.

 

Die Presse: What errors did KFOR peacekeeping forces make during the March unrest?

 

Chris Platzer: We have problems at the operational level: there are too few peacekeepers in the province. Before March there were about 17,500 men. During the unrest KFOR was reinforced by around 2,000 soldiers. With that number of people we could not deal with the demonstrators. The opposition was so organized that the situation could have escalated everywhere at the same time and they were able to block our reserves.

 

It was also established that there were very strong limits within some national contingents. Some countries prohibit the use of teargas while others prohibit their contingents from going outside their zone of engagement.

 

How was it possible that the situation was assessed so incorrectly?

 

Platzer: The organizers of the unrest kept it perfectly secret. It is completely obvious that a single organization whose members have military training is behind everything.

 

According to UNMIK chief Harri Holkeri, the intelligence services of the NATO countries failed.

 

Platzer: I cannot agree with that. It is true that the services did not cooperate sufficiently. But that would not have helped at all because nobody knew anything. Now information exchange has been intensified. How adequate it is I cannot judge. Every country has its national secrets.

 

The Americans use mainly technical means to arrive at information. We Europeans use sources in the country. However, we can only work in uniform, not in civilian clothes. Naturally there are limits.

 

Do you fear that the violence may also be directed against the KFOR peacekeeping forces?

 

Platzer: I believe that it is very improbable that it will be turned against KFOR. As long as the status question is unresolved, the situation will remain unbalanced.

 

But if KFOR ever finds itself in the position of having to make the decision for or against independence, then the situation will have to be reviewed again. It’s like lying next to a sleeping lion. As long as it's sleeping, everything is fine.

 

What are the lessons from the events in March?

 

Platzer: A detailed analysis is in progress. We have intensified training for handling demonstrators. We flew in additional equipment and improved cooperation between military police and civilian police. We also tactically analyzed how new threats might look.

 

And how might they look?

 

Platzer: We are afraid that guerrilla war tactics may be used against the Serbian enclaves, for example, by planting explosives or grenade launch attacks.

 

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18.05.2004 - Politik / International 
 
Interview: "Liegen neben schlafendem Löwen"
Oberst Chris Platzer, Kommandant des österreichischen Kosovo-Kontingents, über die Probleme der Friedenstruppe Kfor.

Die Presse: Welche Fehler hat die Kosovo-Friedenstruppe Kfor bei den Unruhen im März gemacht?

Chris Platzer: Wir haben Probleme auf der operativen Ebene: Es sind zu wenig Kräfte im Land. Vor März waren es etwa 17.500 Mann. Während der Unruhen wurde die Truppe um 2000 Soldaten verstärkt. Wir sind mit der Menge an Demonstranten nicht zu Rande gekommen. Die Organisation des Gegners war so, dass sie die Situation überall gleichzeitig eskalieren ließen und sie so in der Lage waren, unsere Reserven zu blockieren.

Es wurde auch festgestellt, dass es teilweise sehr starke Einschränkungen bei den nationalen Kontingenten gibt: Manche dürfen kein Tränengas verschießen, andere dürfen nicht aus ihrem Einsatzraum raus. Das behindert.

Wie war es möglich, die Situation so falsch einzuschätzen?

Platzer: Die Organisatoren der Unruhen haben das perfekt geheim gehalten. Ganz offensichtlich steckt eine Organisation dahinter, deren Mitglieder militärisch ausgebildet sind.

Laut Harri Holkeri, dem Chef der UN-Mission, versagten die Aufklärungsdienste der Nato-Länder.

Platzer: Dem kann ich nicht zustimmen. Es ist richtig, dass die Dienste nicht ausreichend miteinander gesprochen haben. Aber das hätte auch nichts genützt, weil niemand etwas wusste. Jetzt wurde der Informationsaustausch verstärkt. Wie ausreichend er ist, kann ich nicht beurteilen. Jeder hat seine nationalen Geheimnisse.

Die Amerikaner verwenden hauptsächlich technische Mittel, um Erkenntnisse zu gewinnen. Wir Europäer verwenden Quellen im Lande. Wir dürfen aber nur in Uniform ermitteln, nicht in Zivil. Da gibt es natürliche Grenzen.

Befürchten Sie, dass sich die Gewalt auch gegen die Friedenstruppe Kfor richten könnte?

Platzer: Dass man gegen Kfor als solche losgeht, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Solange die Statusfrage ungelöst ist, wird die Lage in der Waage bleiben.

Aber wenn Kfor einmal dafür sorgen muss, eine Entscheidung für oder gegen die Selbstständigkeit durchzusetzen, dann muss man das neu betrachten. Es ist, wie neben einem schlafenden Löwen zu liegen. Solange er schläft, ist alles in Ordnung.

Welche Lehren wurden aus den Ereignissen vom März gezogen?

Platzer: Es geschieht eine intensive Aufarbeitung. Wir haben die Ausbildung für den Umgang mit Demonstranten intensiviert. Wir haben zusätzliches Gerät eingeflogen und das Zusammenwirken zwischen Militärpolizei und ziviler Polizei verbessert. Wir haben auch taktisch analysiert, wie neue Bedrohungen aussehen könnten.

Und wie könnten die aussehen?

Platzer: Wir müssen fürchten, dass man auch mit Kleinkriegstaktiken gegen die serbischen Enklaven vorgeht, zum Beispiel mit Sprengstoffanschlägen oder Granatwerfer-Angriffen.